Reinhard Weiß
Gefährliche Produkte bei eBay: LED-Trafos

Bei eBay gibt es für LED-Lampen erstaunlich günstige elektronische Trafos, die für den Betrieb an 230 V Netzspannung benötigt werden. Je nach Typ sind auch bei einfachen Geräten die abgebbaren Leistungen bei nominell 12 V Ausgangsspannung angeblich bis zu 50 W laut Beschreibung. Dabei kosten diese Module nur etwa 1 bis 3 EUR (mit Versandkosten aus China!). Das ist schon beachtlich wenig. Damit die Ausgangsspannung sicher vom Netz getrennt ist, sind Transformatoren erforderlich, die üblicherweise das teuerste Teil eines solchen Gerätes sind. Safety Transformer

Das Bild links zeigt das Symbol eines kurzschlussfesten Sicherheitstransformators, wie es auf den meisten Geräten angebracht ist. Dies soll neben dem CE-Zeichen die Sicherheit vor gefährlichen Berührungsspannungen in der Anwendung (auch im Fehlerfall) bezeugen. Dazu muss der Trafo bestimmte Sicherheitseigenschaften (Isolation, Kriechstrecken, Überlastfähigkeit) besitzen.

Unten zeige ich 3 Beispiele von solch preiswerten elektronischen Trafos für LED-Lampen, mit ihrem Innenleben, wie sie bei eBay oder Amazon angeboten werden. Wenn man sich die aber genauer anschaut, kommt man zu erschreckenden Erkenntnissen.

Im Beispiel nach Bildreihe 1 wird ein Trenntrafo verwendet, aber im Layout der Leiterplatte (Bild 1c) sind keinerlei Kriechwege zur Trennung des Ausgangs vom Eingang eingeplant. Im Bild habe ich den kritischen Bereich mit einer roten Linie markiert. Sie trennt den Ausgang (unten rechts) vom Eingang, wobei ein Kriechweg von mindestens 5 mm eingehalten werden müsste (siehe hier und hier), wenn sie nicht anderweitig geschützt sind (Schutzlack). Tatsächlich sind die Abstände hier Zinn zu Zinn max. 1,7 mm, bei Kupfer zu Kupfer (der Lötstopplack gilt nicht als sichere Isolation) sogar nur 0,9 mm. Zum Nachmessen: den notwendigen Abstand von 5 mm habe ich als Referenz am unteren Bildrand markiert (Bild vergrößern durch Klick). Die zu geringen Kriechwege bergen die Gefahr, dass netzseitige Überspannungsspitzen auf die LED-Leitungen gelangen und bei Berührung zu gefährlichen Stromschlägen führen können.

(1) (1) yamet Modul (1) yamet Bestückung (1) yamet Layout

Im Beispiel der 2. Bildreihe unten wird ebenfalls ein Trenntrafo eingesetzt, aber im Layout (Bild 2d) ist wieder keinerlei Kriechweg zur sicheren Trennung zu sehen (rote Linie markiert die Trennstellen). Als Schaltregler wird ein MT7953 (Gehäuse SO8) eingesetzt, zu dem es viele Applikationsbeispiele gibt. Das IC liegt auf der Netzseite. Die beiden Kontakte rechts unten im Layout gehören zur Sekundärseite des Trafos. Ein Anschluss davon geht an Ausgang V- (unten rechts), der andere wird über eine Gleichrichterdiode (auf der anderen Platinenseite) und einem Glättungskondensator (im Layout der gelbe Chip rechts außen) auf Ausgang V+ (oben rechts) geführt. Bei diesem LED-Trafo ist kein Zeichen für "Sicherheitstrafo" aufgedruckt. Auch hier besteht ein Unfallrisiko.

Eine ganz andere Frage ist noch, ob die verbauten Trafos überhaupt die für die sichere Trennung erforderliche Spannungsfestigkeit haben. Bei solch kleinen Bauformen ist es schwierig, die notwendigen Isolierungen zwischen den Wicklungen und den herausgeführten Drähten(!) unterzubringen. Mein Vertrauen hierin ist nicht groß.

(2) (2) bx Modul b(2) bx Bestückung oben (2) bx Bestückung unten

(3) (3) yam Modul (3) yam Bestückung (3) yam Schaltung

Beim Beispiel der 3. Bildreihe wird es nun ganz gefährlich. Obwohl auf dem Typenschild das Zeichen für Sicherheitstrafo angebracht ist (im Bild 3a markiert), enthält das Modul überhaupt keinen Transformator! Das erkennt man schon an der Bestückung auf dem mittleren Bild (Bild 3b). Es handelt sich vielmehr um ein Kondensatornetzteil, bei dem keinerlei Netztrennung möglich ist. Den von mir aufgenommenen Stromlauf habe ich im Bild 3c dargestellt (mit Klick darauf wird die Darstellung größer). Daran ist deutlich erkennbar, dass die Ausgangsleitungen je nach Polung der Netzspannung auf dem Potential der Netzspannungsphase liegen können. Solch eine Beschaltung ist üblich und vertretbar, wenn die damit gespeiste LED direkt mit dem Modul zusammengebaut ist, in einer Weise, dass man mit der LED in keinem Fall in Kontakt kommen kann. Dies kann ein argloser Käufer dieses Artikels aber nicht erkennen. Die Bezeichnung für Sicherheitstrafo ist also betrügerisch und gefährlich. Noch dazu ist der Netz-Kondensator C1 nicht wie erforderlich ein X-Kondensator mit ausreichender Spannungsfestigkeit und Sicherheit. Das ist eine weitere Gefahrenquelle.

Ich habe den Verkäufer bei eBay (der Artikel wird auch bei Amazon verkauft) auf diesen Fehler aufmerksam gemacht. Wie zu erwarten konnte er mir aber keine technische Erklärung geben, er hat statt dessen seinen Lieferanten ansprechen wollen. Bei erneuter Nachfrage hat der Verkäufer dann einfach behauptet, dass er gar "kein CE" habe ("Unfortunately, we do not have a CE, hope you can understand."). Einmal abgesehen davon, dass er dann den Artikel in Europa gar nicht in Verkehr bringen dürfte, ist das aufgedruckte CE also auch ein Fälschung. Das scheint ihm aber egal zu sein. Man kann vor der Benutzung dieses Artikels nur warnen.

GefahrZusammenfassend würde ich jedem empfehlen, der solche Billigteile einsetzen will, die LED isoliert einzubauen und so abzudecken, dass keine Berührung spannungsführender Leitungen möglich ist. Auf eine Montage in Möbeln oder auf brennbaren Oberflächen würde ich trotz Markierung mit dem Möbelkennzeichen (die 2 auf der Spitze stehenden Dreiecke mit dem M) vermeiden.


(erstellt 13.12.2014, zuletzt aktualisiert 27.04.2017, neu strukturiert 25.12.2017)

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© Reinhard Weiß 2017 - letzte Änderung: 25.12.2017 19:07 / 1