Reinhard Weiß
T-Online eMail Migration

Die T-Online-Software wird sicher immer noch von vielen Telekom-Kunden benutzt, weil sie einfach und bequem ist, kostenlos ohnehin. Allerdings gibt es inzwischen etliche komfortable Alternativen, die diese Software eigentlich überflüssig machen, jedenfalls für eMail und Browser. Für das Banking muss man sowieso die eigenständige Version für Windows 7 benutzen, so dass das T-Online-Center, das alle Programmteile bündelt, auch nicht mehr benötigt wird. Mich hat es auch genervt, dass immer wieder mal (wenn auch selten) Mails beim Senden oder Empfangen verstümmelt werden, d.h. ab irgendeiner Stelle im Text, wo ein Umlaut stehen würde, werden die Bits der Zeichen invertiert, meist bis zum Ende. Ursache unbekannt, Abhilfe keine (man kann in wichtigen Fällen den Text aber mittels Access oder Excel und VBA zurück konvertieren).

Ein Umstieg für die eMail-Komponente auf etwa Thunderbird wird allerdings damit erschwert, dass T-Online ein spezielles Datenformat zur Speicherung der eMails benutzt, das mit keiner anderen Software kompatibel ist. Und eine Export-Funktion für sämtliche Mails gibt es natürlich auch nicht. Zwar kann man einzelne Mails im eml-Format abspeichern (exportieren), aber um mit allen (vielleicht tausenden) Mails umzuziehen, wäre das utopisch aufwendig. Es gibt aber durchaus praktikable Möglichkeiten, den Umzug durchzuführen.

Die Mails sind in der T-Online-SW in ziemlich unübersichtlicher Weise abgelegt. Zwar gibt es eine Haupt-Datenbank (MsgMgmt.fdb), die übrigens wie alle anderen fdb-Dateien eine ganz normale Access-Datenbank ist (zwar mit Passwort geschützt, aber ansonsten bequem mittels Access und VBA zu bearbeiten), aber da liegen nur die Inhalte derjenigen Mails drin, die (auch) im Textformat gespeichert sind. Ansonsten enthält sie aber sämtliche Koordinierungsdaten. Die kompletten Quelldaten der Mails sind hingegen in den *.bin-Dateien abgelegt, die (leicht) verschlüsselt sind und mit Hilfe der Haupt-Datenbank in einzelne Mails (eml-Format) zerlegt werden können. Das wäre ein Weg, ist aber doch recht aufwendig und mit Programmieraufwand verbunden.

Der Export der T-Online-Mails geht im Prinzip auch mit den Bord-Mitteln der T-Online Software 6.0. Vom T-Online-Service-Team wird die Methode mit dem Weiterleiten und Speichern als Entwurf empfohlen. Zunächst stellt man das eMail-Fenster auf die Fensterteilung ein, markiert die zu exportierenden Mails (mind. 2) in einem Ordner und wählt Weiterleiten. Man braucht keinen Adressaten, als Betreff kann man z.B. den Namen des betreffenden Ordners verwenden. Dann speichert man diese fiktive Mail als Entwurf. Dann geht man zu dem Reiter Entwurf und markiert die vorbereitete Mail. In der Anhangliste sieht man nun alle ausgewählten Mails, wobei der Betreff jeder Mail + ".eml" als (Export-)Dateiname dient. Nun kann man hier diese Dateien in einem beliebigen Verzeichnis abspeichern (über Anhang speichern). Alternativ wählt man Speichern für die Mail selbst und gibt als Dateityp *.eml an. Damit werden all diese Dateien als (.eml-)Anhänge in einer einzigen eml-Datei abgelegt. Diese Sammeldatei kann man dann etwa mit Outlook-Express oder Thunderbird öffnen, um die als Anhänge angezeigten Mails (als eml-Dateien) wiederum in einem Ordner der Wahl abzuspeichern.

Die so entstandenen .eml-Dateien können direkt von Outlook Express bzw. Thunderbird verarbeitet werden (bei Thunderbird zieht man einzelne oder mehrere markierte Dateien aus dem Windows-Explorer in den gewünschten Ordner des Thunderbird-Fensters). Dieses Verfahren zum Erstellen von eml-Dateien funktioniert im Prinzip, hat jedoch einige Probleme.

Da ich meinen gesamten eMail-Bestand der letzten Jahre (über 60.000 Mails) konvertieren wollte, war diese Methode für mich allerdings völlig unbrauchbar. Um meinen Aufwand gering zu halten, habe ich mir statt dessen die Shareware mailAPP pink edition (früher TOnl2eml) gekauft (ca. 15 EUR). Sie erlaubt die Auswahl einzelner Mails oder eines ganzen Benutzer-Ordners oder aller Ordner auf einmal zum Export als eml- oder mbx-Datei. Die erstellten eml-Dateien haben als Namen nur eine Nummer, die der internen Datenbank-Anordnung entspricht, und das Dateidatum wird auf den Empfangszeitpunkt gestellt. Sie werden in der gleichen Ordnerstruktur abgelegt wie die Benutzer-Ordner in der T-Online-SW. Damit war die bequeme Konvertierung des gesamten Bestands tatsächlich in einem Durchgang möglich. Das hat zwar auf meinem betagten PC (P4 2 GHz) über 3 Stunden gedauert, mit einem Unfang von 1,3 GB, aber dafür war es (fast) stresslos. "Fast" deswegen, weil die bisherige Version (Dateiversion 2012.1.3.94, MailAPPEML.exe) einige Fehler hat:

Wenn man diese Bedingungen (möglicherweise) vorliegen hat, ist eine Umgehung des Problems dadurch möglich, dass man in der T-Online-SW für die betroffenen Ordner jeweils einen neuen Benutzer-Ordner anlegt (keinesfalls einen bestehenden umbenennen!) und die Mails da hinein verschiebt. Die alten Ordner kann man dann löschen.

Man sollte in jedem Fall prüfen, ob die Anzahl der exportierten Mails/Dateien mit der Anzeige bei den Ordnern innerhalb der T-Online-SW übereinstimmt. mailAPP zeigt auch in der Statuszeile die Gesamtzahl der eingelesenen Mails korrekt an, auch wenn es beim Export dann einige Mails vergessen sollte. Im Windows-Explorer kann man die Anzahl der exportierten Dateien in jedem erstellten Ordner und die Gesamtzahl aller bequem abfragen.

Die ggf. nötigen Änderungen an dem Mail-Bestand sind natürlich etwas heikel, weil sich damit möglicherweise unbemerkt Fehler einschleichen könnten, oder aber man hat sogar vielleicht die T-Online-SW gar nicht mehr installiert (nur noch die Sicherheitskopien). Ich habe mich daher an den Hersteller/Vertreiber des Programms gewandt und das Problem geschildert. Daraufhin habe ich innerhalb weniger Tage eine korrigierte Version erhalten (Dateiversion 2012.3.0.91, MailAPPThu.exe). Und die hat funktioniert, bis auf den Fehler mit den Sonderzeichen im Namen. Falls man solch einen Ordner verwendet, muss man das Umkopieren in einen neuen Ordner also trotzdem vornehmen. Dieser Fehler wird erst in einer späteren Version behoben werden. Die Variante pink thunder edition (mailAPPThu.exe) hat gegenüber der pink edition (mailAPPEML.exe) die zusätzliche Möglichkeit, die Konvertierung gleich in einen Thunderbird-Ordner eines Profils vorzunehmen.

Diese Software ist allerdings ziemlich träge, schon das Einlesen der T-Online-Daten dauerte bei mir Minuten. Auch wenn man dann nur einzelne Ordner selektieren will, muss man ewig warten, bis sie bereit ist (und mit jedem Klick erneut). Es empfiehlt sich daher, möglichst nur den gesamten Bestand auf einmal zu konvertieren (Auswahl "alles"). Ich vermisse auch eine plausible Sortierung der Ordner und Mails (nach Name bzw. Datum) bei der Auswahl, um sich zu orientieren. Auch könnte es hilfreich sein, wenn man gezeigt bekommen würde, wieviele Einträge in welchem Ordner gefunden bzw. exportiert wurden, denn dann sieht man möglicherweise Diskrepanzen sofort (durch Vergleich mit der T-Online-SW).

Ganz überrascht war ich, als ich anfangs nur nach weiteren Informationen zu dem Programm mailAPP angefragt habe, bevor ich bestellen wollte (eine Testversion für 10 Mails ist als Download verfügbar; mit der Bestellung erhält man den Freischalt-Key für die Vollversion). Statt einer umfassenden Antwort habe ich gleich einen Schlüssel zugesandt bekommen, sozusagen auf Vertrauensbasis, mit der Maßgabe, die Konvertierung zu versuchen und nur dann den Schlüssel auch zu bezahlen ("bestellen"), wenn ich erfolgreich war. Dieser Vertrauensvorschuss ist schon eine ungewöhnlich unbürokratische Vorgehensweise. Ich kann das Programm also jedem Umsteigewilligen empfehlen.

(erstellt 29.03.2012, neu strukturiert 25.12.2017)

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© Reinhard Weiß 2017 - letzte Änderung: 25.12.2017 22:00 / 1