Reinhard Weiß
ReadyNas und Western Digital Green Festplatten (Disable WD Idle3)

Western Digital (WDC) hat eine Festplatten-Serie, die dem Trend nach Energieeinsparung folgt und den plakativen Namen "Caviar Green" trägt (z.B. WD20EARX). Weil diese Festplatten auch recht günstig zu bekommen sind, habe ich für mein Netgear ReadyNas NV+ v2 (RND4000) diese Platten verwendet. Allerdings währte die Freude nicht lange, sondern wich einem Entsetzen, als ich mir zufällig die S.M.A.R.T.-Werte der Festplatten angeschaut habe. Denn der Load/Unload Cycle Counter (LCC/#193/C1) stieg geradezu explosionsartig an, im Ruhezustand etwa 150 Counts pro Stunde. WDC gibt als Maximalwert aber 300.000 für ein Festplattenleben an. Hochgerechnet bei täglich 10-stündiger Nutzung würde so dieser Wert bereits nach einem halben Jahr erreicht werden.

Der Hintergrund: Zur verbesserten Stromeinsparung wird der Lesekopf der Green-Festplatte nach 8 sec Untätigkeit in eine energiegünstigere Parkposition gefahren (WD nennt das IDLE 3). Eigentlich nicht schlimm. Aber manche Betriebssysteme, etwa das Linux im ReadyNas, greifen auch im Ruhezustand regelmäßig (wohl alle 20...30 sec) auf die Platten zu und wecken sie so immer wieder auf. Das führt dann zu den exorbitanten Werten für das Parken. Das ist natürlich ein nicht hinzunehmender Betriebszustand.

Das Problem ist nun, dass Netgear diese Platten sogar als Empfehlung für das ReadyNas NV+ v2 in ihrer Kompatibilitätsliste aufführt, anfangs wohl in Unkenntnis dieser Problematik, und die Firmware im ReadyNas darauf keine Rücksicht nimmt. Aber weder Netgear noch Western Digital sprechen das Thema öffentlich an, obwohl es im Web schon seit Jahren eine unüberschaubar umfangreiche Diskussion zu diesem Thema gibt. Hinzu kommen noch teilweise sich widersprechende Empfehlungen (3/2009, siehe Post Per Hansson Tue Mar 24, 2009 10:16 am) und Antworten (4/2011) von WDC, die von Usern veröffentlicht werden. Offiziell werden von WDC die "Green"-Platten für 4-Bay-RAID-Systeme (wie das NV+) gar nicht empfohlen (hierfür sollte die Serie RED eingesetzt werden), sondern nur für 2-Bay-Systeme (wie ReadyNas Duo) in RAID 0 oder 1, oder für Desktop-Systeme, oder externe Laufwerke. Solche Informationen hätte man gerne vor dem Kauf gehabt, leider habe ich das auch viel zu spät erfahren.

Die Abhilfe ist theoretisch einfach. Denn WDC stellt bzw. stellte ein Tool zur Verfügung, mit dem man diesen Park-Timer in der Festplatten-Firmware von 8 sec auf 5 Min hoch stellen kann (WDidle3). Optimal, sollte man meinen. Zumindest ist das LCC-Problem damit entschärft, nur das Energiesparen wäre dann etwas weniger effektiv.

In der Praxis ist diese Umkonfiguration jedoch außerordentlich umständlich, unsicher und eventuell sogar gefährlich. Denn WDC hatte dieses Tool nur für einige (ältere) Festplatten angeboten:

WD20EADS, WD20EARS, WD15EADS, WD15EARS, WD10EADS, WD10EARS, WD8000AARS, WD7500AADS, WD7500AARS, WD6400AADS, WD6400AARS, WD5000AADS, WD5000AARS (11/03/2011)

WD1000FYPS-01ZKB0, WD7500AYPS-01ZKB0, WD7501AYPS-01ZKB0 (11/03/2011)

Und das mit der Warnung verschärft, das Tool keinesfalls für andere Plattentypen als aufgeführt einzusetzen. Da die Liste danach aber nicht mehr aktualisiert wurde, fehlen da aktuellere Modelle (wie die WD20EARX), die das Problem weiterhin haben. Viele Anwender haben es dennoch für andere Platten aus der Reihe probiert und hatten fast immer Erfolg. Allerdings gab es auch einige Nebeneffekte, deren Ursachen nicht klar sind (das Ausschalten mit Option /D etwa funktioniert oft nicht, wobei manche Platten damit extrem langsam wurden). Wenn jemand andere als die oben genannten Platten behandeln will, sollte er sicherheitshalber gezielt nach Erfahrungen anderer suchen, oder direkt bei WDC nachfragen. Meine spezifische Nachfrage bei WDC, ob die WD20EARX damit behandelt werden darf, wurde mit "natürlich" bestätigt.

Was das Tool genau macht, ist nicht so klar, WDC bezeichnet das meist als Firmware-Update, was sicher nicht ganz richtig ist, aber es werden offenbar nicht standardisierte ATA-Befehle benutzt, um irgendeine Speicherzelle umzuprogrammieren. Und darin liegt das praktische Problem. Es funktioniert halt nicht immer und man braucht ein System, das in native DOS (!) booten kann und eine SATA-Schnittstelle hat. Es scheint sogar eine Alternative in Form eines Linux-Tools zu geben (experimentell).

Ich habe mir für die Umprogrammierung einige Boot-CDs herunter geladen und damit probiert, letztendlich zwar erfolgreich (bei WD20EARX und WD10EAVS, auf einem Medion MD8895/P5350D), aber etwas mühselig. Hier kurz das Procedere:

Als Boot-Medium hatte ich 2 Versionen auf Basis FreeDOS probiert (FreeDOS WDIDLE3.iso, Anleitung siehe erstes Post willbldrco Wed Nov 23, 2011 9:42 pm; bootcd.iso, Anleitung maxishine Post 16 Aug 2010, 07:16), die das WDidle3 in Version 1.05 bzw. 1.03 enthielten. Die funktionierten aber nicht richtig, weil nach dem Befehl mit Option /R (Auslesen) das System hing und keine weitere Eingabe möglich war (ein Effekt, der auch hier beschrieben wurde, im Post by Fralex Fri Mar 26, 2010 1:35 am). Hingegen arbeitete die Version mit einer UBCD v5.11 (UBCD511custom.iso, Anleitung) mit Version 1.05 (using DT32.LIB version 0A6) problemlos. Obwohl man im Web genügend Anleitungen für das Tool wdidle3 findet, hier noch mal kurz meine Vorgehensweise:

  1. Beim PC die Boot-Reihenfolge ggf. anpassen (CD vor Festplatte).
  2. PC ausschalten.
  3. Im PC alle SATA-Festplatten abstecken (Datenstecker).
  4. Die zu behandelnde Festplatte anstecken an einen SATA-Port (Stromversorgung aus dem Gerät oder extern zuführen); ich habe dafür einen externen Adapter (ICY BOX mit eSATA) verwendet.
  5. Den PC einschalten und booten und gleich das BIOS aufrufen (z.B. mit Taste ENTF) und unter den Einstellungen ADVANCED CHIPSET den SATA-Mode von AHCI auf IDE umstellen, sofern das nicht schon so steht.
  6. Die Boot-CD jetzt einlegen.
  7. BIOS verlassen mit Speichern.
  8. Neuer Bootvorgang ist nötig, Auswahl für Start von CD ggf. bestätigen.
  9. Die Menüoberfläche der CD erscheint, dort HDD wählen.
  10. In der Befehlszeile (Q:/USR/WDIDLE3>) kann man nun übliche DOS-Befehle eingeben, etwa DIR.
  11. Mit dem Befehl WDIDLE3 /? kann man sich die Eingabemöglichkeiten anzeigen lassen.
  12. Mit dem Befehl WDIDLE3 /R kann man die zu bearbeitende Platte suchen lassen; wird sie gefunden, erfolgt die Ausgabe des eingestellten Timerwertes (8 sec).
  13. Mit dem Befehl WDIDLE3 /S300 stellt man den Timer auf 5 Minuten, dies wird auch bestätigt (die Option /D zum Sperren des Timers geht teilweise nicht oder nicht richtig, daher nicht verwenden).
  14. Mit dem Befehl WDIDLE3 /R kann man das noch einmal kontrollieren.
  15. Nun die Festplatte entfernen und ggf. eine weitere Platte anschließen, dann wieder dieselben Befehle eingeben.
  16. Bei mir gab es nach der 3. Platte das Problem, dass keine Platte mehr gefunden wurde; aber nach Herausziehen und erneutem Anstecken des Datenkabels ging es dann jeweils wieder.
  17. Mit STRG ALT ENTF kommt man wieder ins Menü, wenn man will.
  18. Nach der letzten Platte die CD entnehmen und den PC ausschalten.
  19. Die ursprünglichen Festplatten wieder anstecken.
  20. Den PC neu booten, gleich wieder ins BIOS gehen und den AHCI-Mode wieder einschalten, wenn er ursprünglich auch eingeschaltet war (keinesfalls einstellen, wenn ursprünglich IDE dort stand, sonst sind alle Daten gefährdet).
  21. Nun sollte auf dem PC auch alles wieder normal funktionieren.

Eine Kontrolle im ReayNas zeigte, dass nun alle Platten tatsächlich keine Aktivität am LCC mehr hatten, nur noch beim Einschalten wurde der Zähler um 1 erhöht. So soll es sein.

Und für Freaks gibt es sogar eine Lösung, die ohne Hilfs-PC auskommt, direkt im ReadyNas. Es sind auch andere NAS-Systeme betroffen (etwa bei Synology). Wer weitere Informationen zu diesem Thema sucht, kann unter dem Stichwort wdidle3 fündig werden.

(erstellt 15.09.2012, neu strukturiert 25.12.2017)

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© Reinhard Weiß 2017 - letzte Änderung: 25.12.2017 21:55 / 1